Dharamsala (II): Teachings des Dalai Lama
September 18, 2007
Foto: Auditorium bei den Teachings im Frühjahr ©Reny
Hier der zweite Teil des Newsletters von Reny aus Dharamsala. Viel Spass beim Lesen! Danke an Reny!
McLeod Ganj, 11. 9. 07 – Teachings des Dalai Lama
Anfang September hatten wir drei Tage Teachings vom Dalai Lama.
Er hat ja schon des öfteren verkündet, er wolle sich langsam zurückziehen, aber davon ist nichts zu merken: Vorträge in Deutschland, Amerika, Neuseeland, Teachings in Ladakh, Einweihung in Spiti, Teachings in Dharamsala, dazwischen noch mal Deutschland, Österreich, Amerika uns so weiter.
Die September-Teachings waren von den Buddhisten aus Südostasien „bestellt“ worden.
Jeden Morgen durften Vertreter einer anderen Nation die Herzsutra in ihrer Sprache rezitieren, Chinesisch, Indonesisch, Koreanisch. His Holiness sprach diesmal – völlig ungewohnt – ganz viel Englisch, am ersten Tag über zwei Stunden lang. Das klingt sehr lustig, weil ihm trotz überraschend guter Kenntnis von Wortschatz und Syntax der Gebrauch der Artikel und des Verbs „to be“ gänzlich fremd zu sein scheint.
Für die vielen ausländischen Zuhörer ist sein Englisch auf jeden Fall angenehm direkt, ohne den Umweg über Dolmetscher und Stöpsel in den Ohren. Wenn es ihm dann doch zu mühsam wurde, ging er zu Tibetisch über, „um seinen Dolmetscher nicht arbeitslos zu machen“.
Er war mal wieder allerbester Laune und gefiel sich darin, die schwierigen Themen mit Späßchen und Geschichten aufzulockern, über die er selbst am meisten lachte! Also große Heiterkeit auf allen Seiten!
Das ist ja immer wieder wie ein Lichtanknipsen, wenn er durch die Reihen geht, sich hier und da niederbeugt, um mit einem alten Tibeter, einer Frau mit Kind oder sonst jemand zu plaudern, da beginnen sofort alle Gesichter der Umgebung zu strahlen, alles lächelt wie hypnotisiert und geht beschwingt von dannen. Es gelingt ihm durch seine bloße Anwesenheit, die Menschen in gute Stimmung zu versetzen. Immer aufs Neue verblüffend!
Bei all der Verehrung – den Tibetern gilt er ja als lebender Buddha – darf man freilich nicht vergessen, dass er einer der bestbewachten Männer Indiens ist. Jeder, der zu den Teachings will, muss sich unter Vorlage eines Ausweises einen Gatepass besorgen, jeder muss jeden Morgen und jeden Nachmittag durch penible Kontrollen wie am Flughafen. Kamera, Taschenmesser, Nagelfeile, Handy, Feuerzeug, Zigaretten, etc – alles streng verboten. Es sind immer bewaffnete Bodyguards in Zivil und in Uniform um ihn herum. Wenn er im Auto vom Flughafen kommt, winkt er durch die geschlossenen, ich vermute kugelsicheren Fenster der Menge zu.

Foto: Warten auf die Rückkehr des Dalai Lama ©Reny
In Nakko nahe der tibetischen Grenze hatte man während der Teachings Scharfschützen auf den umliegenden Bergen positioniert! Die Zeiten, wo der Dalai Lama allein im Wald spazieren gehen konnte, sind längst vorbei. Man wundert sich, dass er bei all dem Zirkus so locker und gutgelaunt sein kann!
Abgesehen von den Teachings hab ich meine Studien noch nicht so recht wieder aufgenommen, also in die Bibliothek zu Sönam Rinchen hab ich s noch nicht geschafft. Momentan fühle ich mich auch zur Faulheit berechtigt, weil ich eine ordentliche Erkältung habe. Das geht schnell beim Monsun… man braucht schon ein gutes Immunsystem, um dem hiesigen Klima zu trotzen!
So, um mein Immunsystem zu stärken, begeb ich mich jetzt zur Ruhe! Draußen ist es vollkommen still, nur weit in der Ferne, kaum hörbar, bellt ein Hund. Der Sternenhimmel macht einen ganz andächtig!
Reny
Dharamsala-Blog nach Sommerpause wieder online
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Rückkehr nach Dharamsala (I)
September 18, 2007

Foto: Upper Dharamsala – McLeod Ganj ©Reny
Ich poste hier einen Newsletter meiner Freundin Reny (mit ihrem Einverständnis, versteht sich), die nach einem längeren Europaaufenthalt wieder in ihre 2. Heimat Dharamsala / Indien zurückgekehrt ist. Der Text ist etwas länger und darum in zwei Posts geteilt. – Absolut lesenswert! :))
McLeod Ganj, 11. 9. 07 – Rückkehr zum Ende des Monsuns
Im Bett sitzend lausche ich den Zikaden der hereinbrechenden Abenddämmerung. Es ist 7 Uhr, Staschna melkt die Kühe, Anil bringt die Pferde in den Stall, die typischen Abendgeräusche, die Kinder sitzen noch unten in der Küche und lernen, Laurence sagt Adé und geht mit Lucie durch den Wald nach Hause, so lange es noch ein bisschen hell ist. Felizitas ist noch unterwegs, sie hat keine Angst, im Dunkeln allein durch den Wald zu gehen … Kein Regen, kein fernes Grumeln, kein Gewitter heute Abend, der wolkenlose Himmel verspricht eine sternklare Nacht.
Langsam geht der Monsun zu Ende. Als ich vor 2 Wochen kam, hats noch kräftig geregnet, die Blätter und Gräser im Wald waren nass, egal, obs gerade regnete oder nicht, die Luft war so warm und so feucht, dass einem das Wasser dauernd herunterrann, ob nun vom Schwitzen, von den angestreiften Büschen oder vom Regen. Kein Lüftchen regte sich und von den Bäumen tropfte es ohne Unterlass. Die letzten Tage hatten wir abends oft ordentliche Gewitter, nachts die prachtvollen Sterne der Berge und morgens strahlend blauen Himmel. Doch schon gegen Mittag ziehen die Nebel geheimnisvoll rauf und runter, hüllen blitzschnell Wald und Berge in Weiß, doch dahinter ahnt man oft die Sonne.
Es ist merklich kühler geworden. Die zarten Farne an den Baumstämmen werden schon gelb und fallen ab, typische Monsunpflanzen, manche bis zu einem Meter hoch, werden braun und neigen sich der Erde zu, um alsbald komplett zu verschwinden. Der wilde Ingwer ist verblüht. Über die noch moosbedeckten Steine flitzen winzige Eidechsen. Die Spinnennetze, die ich morgens in der Früh auf meinem Weg ins Tal zerreiße, werden langsam weniger. Auch die dicken Spinnen im Bad beginnen zu sterben oder sich aufzufressen, jedenfalls fallen sie von den Wänden, was mir sehr recht ist. Skorpione hab ich nach meiner Rückkehr noch gar nicht gesehen.
Der Leopard hat kürzlich den Nachbarhund gefressen und ist in unsern Hühnerstall eingedrungen, nur eines der vier Hühner hat das Massaker überlebt. Die Bärin mit ihren beiden Jungen, die mir vor meiner Abreise den Gang durch den Wald fast verleidet hatte, wurde schon lange nicht mehr gesichtet und ich geh wieder ohne Angst meinen Weg, ohne irgendjemand zu begegnen.
Noch bin ich beim Herrichten meiner kleinen Wohnung. Keiner hat während meiner Abwesenheit dort gewohnt, entsprechend schaut es aus und riecht es: Wenn man die Tür öffnet, strömt einem Gruftmoder entgegen, alles feuchtelt, besonders Matratze und Teppichboden. Von den Deckenbalken hängen die Spinnweben. Die Terrasse ist angegammelt, im Gebälk nistende Vögel haben Sessel und Boden verdreckt. Alles nicht sehr einladend. Hab paar Tage geputzt, gelüftet, versuche mit kleinem Heizöfchen und Gasherd bissel die Feuchtigkeit zu vertreiben, aber das dauert. Man müsste alles paar Stunden in die Sonne stellen – aber die Luft ist noch zu feucht und die Sonne nicht zuverlässig. So ist das mit dem Monsun! Ein Krampf, ärger als bei uns der Winter!
Die Tiere scheint der Monsun zur Liebe zu beflügeln: Nara, die scharze Labradorhündin konnte sich der eifersüchtigen Beobachtung Tuyas zum Trotz einen noch unbekannten Bräutigam suchen und kriegt bald zum erstenmal Junge. Lali und Tara, die beiden Pferde kriegen irgendwann im Frühjahr ihre Fohlen. Und die Kühe sind auch schon wieder trächtig!
Am besten freilich vermehren sich die kleinen und großen Mäuse, die ganz frech in der Küche, im Wohnzimmer und in den Schlafzimmern rumspazieren und uns auch mal ganz neugierig beim Essen zuschauen. In die Fallen gehen sie nicht mehr rein, egal was man ihnen an Köstlichkeiten anbietet. Dumm sind sie nicht, denn dass der Käse mit Gefangenschaft oder einem abgequetschtem Schwanz bezahlt werden muss, haben sie schon gelernt.
Aber auch, dass sie in einer buddhistischen Umgebung ihren Übermut selten mit dem Leben bezahlen müssen!
Meistens werden sie nämlich von den Kindern wieder befreit und kommen geschwind zurück ins Haus. Ein paar Mal diese Prozedur, dann haben sie die Funktion einer Falle kapiert.
Die ganz kleinen Mäuslein können eh durch den Draht wieder rausschlüpfen. So werden sie immer zahlreicher und frecher.
Und wir suchen dringend eine Katze oder gleich mehrere!! Aber Indien ist nicht Kasachstan oder Deutschland: Katzen gehören hier ganz offensichtlich nicht zu den heiligen Tieren wie Kühe, Affen oder Ratten (Ja, die Ratten auch! Es gibt einen ihnen geweihten Tempel in Deshnok in Rajasthan, da wuseln Tausende der possierlichen Tierchen herum und kriegen auf silbernem Tablett den Weizen serviert!) Katzen scheinen hier nicht beliebt zu sein, fast niemand hat eine (außer dem Dalai Lama), halbwilde scheint es im Wald zu geben, aber so richtige Hauskatzen wie bei uns – die gibt’s nicht! Was für ein Jammer!
2. Teil folgt…



